Mit Unterstützung der EU macht sie sich daran, Ortsgemeinden im ländlichen Raum neues Leben einzuhauchen. Miller, 28 Jahre, ist seit April 2025 Dorfumbaumanagerin in der Verbandsgemeinde Otterbach-Otterberg nahe Kaiserslautern in Rheinland-Pfalz. Ihre Aufgabe erklärt sie mit wenigen Worte so: „Ich bringe leerstehende Häuser zusammen mit Menschen, die gerne darin leben wollen, und berate zu Sanierungsmöglichkeiten und Förderprogrammen."
Dorfumbaumanagerin revitalisiert alte Häuser
Die Verbandsgemeinde Otterbach-Otterberg zählt zwölf Kommunen und eine Bevölkerung von rund 19.000 Menschen. Tendenz fallend. Junge Menschen ziehen weg ins Ballungsgebiet Rhein-Main und Ältere sterben. Zurück bleiben leerstehende Häuser, oft mitten im Dorf, oft im typischen roten Buntsandstein der Region. Rund zweihundertfünfzig Immobilien stehen leer in der Verbandsgemeinde Otterbach-Otterberg. Irgendwann merkte Verbandsbürgermeister Harald Westrich, dass ein Leerstandskataster allein nicht weiterhilft. Westrich, 62, sagt: „Wir suchten dringend jemanden, der nah an den Menschen ist, und sich ausschließlich um die leerstehenden Häuser kümmert." So wurde die neue Position einer Dorfumbaumanagerin geschaffen. Die EU-Kommission unterstützt die Arbeit mit Mitteln aus dem LEADER-Programm, mit dem innovative Aktionen im ländlichen Raum gefördert werden.
Ortskerne sanieren statt Neubauten auf der grünen Wiese
LEADER setzt dabei auf Initiativen von unten, sogenannte Lokale Aktionsgruppen (LAG) wie der LAG Donnersberger und Lautrer Land rund um Otterbach-Otterberg. Das Ziel: Die Menschen auf dem Land durch lokale Strategien, Projekte und Entscheidungsprozesse in eine von der Gemeinschaft vor Ort geleitete lokale Entwicklungen einzubinden. Finanziert wird das Programm aus Mitteln für die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP).
EU-Agrarkommissar Christophe Hansen betonte zuletzt im Europäischen Parlament die Bedeutung der Entwicklung des ländlichen Raums und erklärte: „LEADER wird künftig noch stärker von einem integrierten Ansatz profitieren, der es den Mitgliedstaaten ermöglicht, Ressourcen zu bündeln und wirkungsvoller zu sein."

Bundesweit stehen rund zwei Millionen Wohnungen leer. Das Land Rheinland-Pfalz rechnet damit, dass es in ländlichen Regionen wegen des demographischen Wandels und weiterer Abwanderung künftig noch mehr Leerstand geben wird. Natalie Miller bringt Leben in die alten Häuser. Mit Ortsbürgermeistern durchstreift sie deren Gemeinden, spricht über leerstehende Immobilien und schreibt deren Besitzer an. Parallel betreut sie das Leerstandsregister und fahndet nach Menschen, die gern ein Haus in der Verbandsgemeinde übernehmen wollen. Dabei geht's ihr um die Belebung des alten Ortskerns, aber auch um den Schutz der Landschaft. Miller: „Es muss nicht immer ein Neubau am Ortsrand sein, es gibt auch viele schöne, alte Häuser im Ortskern. Unser Ziel ist es, zu versuchen, den Siedlungsdruck auf die grüne Wiese zu mindern."
“Etwas voranbringen”
Miller stammt aus der Region. An der Hochschule Kaiserslautern hat sie ihren Master in Innenarchitektur gemacht. Sie sagt über ihren neuen Beruf: „Im Kern geht es um dasselbe: Lebensräume zu schaffen, die für die Menschen funktionieren. Ob innen oder Außenraum, entscheidend ist, Orte so zu entwickeln, dass sie schöner und lebenswerter werden."
Zu Miller kommen junge Menschen, die ein Haus mit Garten suchen für ihre Familien. Ältere, die ihr Haus gern verkleinern wollen. Und manchmal auch Menschen aus Ballungsgebieten, die sich nach Natur und Ruhe sehnen. Dorfumbaumanagerin Miller sagt über ihre Arbeit: „Es sind kleine Schritte, aber sie führen sichtbar zu Verbesserungen das motiviert mich."
Sanierungen mit den Menschen vor Ort planen
Verbandsbürgermeister Westrich und seine Verwaltung unterstützen die neuen Eigentümer. Die Ortskerne mit den zum Teil denkmalgeschützten Häusern wurden als Sanierungsgebiet ausgewiesen. Die Renovierungskosten sind damit voll abschreibungsfähig.
„Unser Projekt wäre ohne die Unterstützung der EU undenkbar", sagt Harald Westrich. Für Kommunen, die einen ähnlichen Weg gehen wollen, hat er einen einfachen Rat: „Erst eine Bestandsaufnahme machen. Dann die Ressourcen in der Verwaltung schaffen. Und vor allem: Raus aus dem Büro und zu den Menschen. Ohne alte Eigentümer und junge Sanierungswillige lässt sich das Ganze nicht umsetzen." Europa bringt Jung und Alt zusammen. Auch auf dem Land.
Die EU-Förderung für Rheinland-Pfalz im Überblick hier.