EU-Nachrichten 4.12.2025: | Erstes Amtsjahr | Ukraine | Kritische Rohstoffe | Finanzmärkte | Drogenhandel | Trilog-Verfahren | Photosynthese-Forschung | Kulturhauptstadt| Blauer Bär| Jugendkampagne #LassReden
Editorial
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
Ein Jahr ist die zweite Kommission von der Leyen nun im Amt, am Montag war der Stichtag. Wir haben hier einen Überblick zusammengestellt, was wir in den vergangenen zwölf Monaten alles bereits angeschoben haben für die Menschen und die Unternehmen in der EU. Die Kommission arbeitet gezielt und energisch darauf hin, dass in Europa traditionelle und neue Industriezweige gleichermaßen gute Bedingungen haben und die Lebensqualität hoch ist.
Bei aller Arbeit und allem Einsatz – die Adventszeit hat begonnen und damit auch die Zeit der Weihnachts- und Wintermärkte. Gemeinsam mit unseren Kolleginnen und Kollegen in Wien, Warschau und Budapest haben wir für unsere Instagram-Accounts als Anregung eine kleine Auswahl getroffen (Link).
Viele Grüße vom Presseteam der Vertretung der Europäischen Kommission in Berlin. Haben Sie noch eine schöne Woche!
Highlights
Wie kann die EU den Finanzierungsbedarf der Ukraine in den kommenden beiden Jahren stärken? Die Kommission hat zwei Wege aufgezeigt. Vorschlag eins sind EU-Anleihen: Die EU nimmt auf den Kapitalmärkten Geld auf (mit dem EU-Haushalt als Garantie) und gibt es als Darlehen an die Ukraine weiter. Vorschlag zwei zielt auf das Vermögen der russischen Zentralbank ab, das eingefroren bei europäischen Finanzinstituten liegt. Es soll in das Instrument eines Rückstellungskredits übertragen werden und als Darlehen an die Ukraine gehen. Die Rückzahlung erfolgt erst dann, wenn Russland Reparationen zahlt. Details dazu hier. Und noch ein anderer Aspekt mit Bezug auf Russland war in dieser Woche wichtig: die Einigung der 27 Mitgliedstaaten und des Parlaments, aus russischen Gasimporten ganz auszusteigen. Wie genau, dazu mehr hier.
RessourceEU – das ist ein wichtiger Pfeiler der europäischen Industriepolitik, sozusagen der Aktionsplan, der auf dem Critical Raw Materials Act (als rechtliche Grundlage) aufbaut. Ohne diese kritischen Rohstoffe haben unsere Industrien ein Problem, ohne sie könnten zum Beispiel keine Computer gebaut werden, keine Batterien, keine Drohnen, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Die Kommission hat den Aktionsplan gestern verabschiedet, er ist Teil eines größeren Rahmens, einem strategischen Konzept für eine gestärkte wirtschaftliche Sicherheit der EU. Mehr zu diesem Gesamt-Paket kann man hier nachlesen.
Ein echter Binnenmarkt für Finanzdienstleistungen – das ist das Ziel des heute vorgelegten Maßnahmenpakets zur Integration der EU-Finanzmärkte. Die zuständige Kommissarin Maria Luís Albuquerque sprach von einem politischen Imperativ für Europas Wohlstand und globale Relevanz. Mehr Details hier.
Die Kommission hat außerdem eine Strategie für den Kampf gegen den Drogenhandel vorgelegt. Es geht darum, die kriminellen Netzwerke zu zerschlagen und die Menschen besser zu schützen. Mehr hier.
Außerdem noch der Verweis auf zwei in dieser Woche abgeschlossene Trilog-Verhandlungen: es ging um Pflanzen, die mit neuen genomische Techniken gezüchtet wurden – Stichwort CRISPR/Cas (Link) - sowie um die Pauschalreiserichtlinie (Link)
Weitere Pressemitteilungen zu aktuellen Themen finden Sie hier (Vertretung der Kommission in Berlin) und hier (Presseraum/Sprecherdienst der Kommission in Brüssel). Für unseren täglichen Newsletter kann man sich hier anmelden. Und folgen Sie uns gerne auch auf den sozialen Medien: Facebook, X, Instagram.
Europa vor Ort
Mit EU-Fördermitteln: Münchner Pflanzenforscher machen Photosynthese fit für den Klimawandel
Ein Forschungsteam unter der Leitung von Dario Leister von der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) untersucht, wie die Photosynthese effizienter gestaltet werden kann. Pflanzen sollen widerstandsfähiger, die Ernährungssicherheit verbessert und sauberere Energiequellen erschlossen werden. Die Europäische Union unterstützt das Projekt durch den Europäischen Forschungsrat mit einem Zuschuss von 7,5 Millionen Euro.
Professor Dario Leister, der das Forschungsteam am Lehrstuhl für Molekularbiologie der Pflanzen der Abteilung Pflanzenwissenschaften der LMU leitet, erklärte: „Die Weltbevölkerung wächst, aber gleichzeitig steht immer weniger Fläche für den Anbau unserer Nahrungsmittel zur Verfügung. Der Klimawandel verschärft die Situation zusätzlich, denn Pflanzen sind heute mehr denn je schwankenden Bedingungen ausgesetzt. Sie müssen physiologisch auf das reagieren, was in ihrer Umgebung geschieht. Diese Reaktionen sind noch nicht gut verstanden und nicht optimal auf unsere Anforderungen an Nutzpflanzen abgestimmt.“
Projektziel: Photosynthese besser verstehen, mehr Ernährungssicherheit bekommen
Leistner ist von der Photosynthese fasziniert, da mithilfe von Sonnenlicht Wasser gespalten und somit im Prinzip sauberer Wasserstoff erzeugt werden kann. Pflanzen benötigen dafür lediglich reichlich verfügbare Grundstoffe und einige Mikroelemente. Im Vergleich zu dieser sauberen, kostengünstigen und maximal nachhaltigen Lösung sind menschengemachte technische Alternativen sehr aufwendig, teuer und wenig nachhaltig. Das Team untersucht daher, wie Organismen Sonnenlicht in nutzbare Energie umwandeln – und wie Menschen von ihnen lernen können, diesen Prozess effizienter zu gestalten.
„Unsere langfristige Vision ist es, dass der Mensch eine Vielzahl von Nutzpflanzen produzieren kann, die ideal an unterschiedliche, herausfordernde Umgebungen und Bedingungen angepasst sind. Letztlich soll so die Ernährungssicherheit gewährleistet werden. Um dies zu erreichen, müssen wir jedoch zunächst verstehen, wie die Photosynthese – der Motor der Pflanzen – funktioniert und wie sie verbessert und robuster gemacht werden kann“, ergänzte Leister.
Winzige Cyanobakterien und Grünalgen
Das LMU-Team nutzt winzige, schnell wachsende Mikroorganismen wie Cyanobakterien und Grünalgen, um zu erforschen, wie sich die Photosynthese unter Stressbedingungen wie schwankender Lichtintensität oder Hitze anpasst. Diese Erkenntnisse könnten dazu beitragen, Pflanzen zu züchten, die besser mit den Folgen des Klimawandels umgehen können. Dadurch würden Ernährungssicherheit und Nachhaltigkeit gesteigert. Für das Team geht es bei der Erforschung der Photosynthese nicht nur um Pflanzen, sondern auch darum, die Grundlagen dieses sauerstoffproduzierenden Prozesses zu verstehen und von der Natur inspirierte Lösungen für die Zukunft zu entwickeln.
Zusammenarbeit mit Forschenden in UK und Tschechien
Das Münchner Team arbeitet dabei eng mit Neil Hunter von der Universität Sheffield sowie Josef Komenda vom Institut für Mikrobiologie der Tschechischen Akademie der Wissenschaften zusammen. „Pflanzen können derzeit nur etwa die Hälfte des Sonnenlichts nutzen. Deshalb entwickeln wir neue Ansätze, um ihre Fähigkeit zur Absorption und Umwandlung von Licht zu verbessern. Eine effizientere Photosynthese führt zu Nutzpflanzen, die mehr Ertrag bringen. Das bedeutet, dass man mit der gleichen Energiemenge mehr erreichen kann“, beschreibt Leister das gemeinsame Ziel.
EU-Forschungsförderung unverzichtbar für bahnbrechende Entdeckungen
Mit der finanziellen Unterstützung des Europäischen Forschungsrats in Höhe von 7,5 Millionen Euro wollen die Wissenschaftler diese Vision nun in die Praxis umsetzen. Die EU-Förderung umfasst auch die Bereitstellung wichtiger Laborausstattung sowie die Finanzierung der Ausbildung von Doktorandinnen, Doktoranden und Postdoktoranden.
Für Leister ist die EU-Förderung die einzige Möglichkeit, Forschung dieser Größenordnung und Tragweite zu betreiben. „Ich halte sie für unverzichtbar, um bahnbrechende wissenschaftliche Entdeckungen zu erzielen. Ohne diese Zuschüsse würde Europa ins Hintertreffen geraten. Wenn man global wettbewerbsfähig sein will, braucht man solche EU-Fördermittel“, betont er.
Horizont Europa: das Milliardenschwere Förderprogramm der EU
Horizont Europa ist das wichtigste Förderprogramm der EU für Forschung und Innovation. Das Budget für den Zeitraum 2021–2027 beträgt 93,5 Milliarden Euro. Seit Beginn der EU-Forschungs- und Innovationsprogramme hat Deutschland über 30 Milliarden Euro an Fördermitteln erhalten.
Bereits seit über 40 Jahren unterstützt die EU Forschung und fördert Innovation sowie internationale Zusammenarbeit. Von Durchbrüchen in den Neurowissenschaften und der Architektur bis hin zur Erdbeobachtung und sauberer Luftfahrt reichen die Aktivitäten der EU weit über das Labor hinaus.
Weitere Informationen finden Sie auf der Science4EU-Website (Link). Hier gibt es diverse Beispiele dafür, wie die Europäische Union Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Forschende und Innovatorinnen und Innovatoren – einschließlich des Forschungsteams der LMU – dabei unterstützt, die Grenzen des Wissens zu erweitern.
Europa in Zahlen
Das war das Kulturhauptstadtjahr in Chemnitz – eine Bilanz in Zahlen
In diesem Jahr haben die Stadt Chemnitz sowie 38 Kommunen im Umland die EU-Tradition “Europäische Kulturhauptstadt” weitergetragen – und das reichhaltige Programm hat mehr als 2 Millionen Besucherinnen und Besucher angelockt. Rund 2.000 Veranstaltungen gab es, 260 Projekte, 731 Partner und Partnerinnen. Rund 1.300 Freiwillige haben sich 45.000 Stunden engagiert dafür, dass alles klappt – ein herzliches Dankeschön dafür (Link). Der Tourismus wurde angekurbelt, er verzeichnete ein Plus insgesamt von 24 Prozent bei den Übernachtungen (mit einem Höhepunkt im August mit 51 Prozent). Auch der öffentliche Nahverkehr wurde mehr genutzt – von 1,2 Millionen zusätzlichen Fahrgästen im VMS-Gebiet. In den Medien schlug sich das Kulturhauptstadtjahr auch breit nieder, mit 23.000 Erwähnungen und 86 Millionen Social-Media-Views.
So viel Europa steckt in Chemnitz und der Region
Barbara Gessler, die Vertreterin der Europäischen Kommission in Deutschland, war am Freitag beim abschließenden Bilanzgespräch in Oelsnitz im Erzgebirge dabei. Sie nahm das Motto der Europäischen Kulturhauptstadt Chemnitz „C the Unseen“ auf, das treffender nicht hätte sein können: Die Gäste aus der Region, Deutschland, Europa und aller Welt haben bisher Ungesehenes und Unerwartetes entdeckt. Gessler bedankte sich bei allen, die an dem herausragenden vielfältigen Programm mitgewirkt und gezeigt haben, wie viel Europa in Chemnitz und der Region steckt.
Den Spirit weitertragen
Die Stadt Chemnitz freut sich über mehrere Besucherrekorde, u.a. bei der Munch-Ausstellung, KOSMOS, Hutfestival & ibug, und hat vor, erfolgreiche Formate weiterzuführen und neue Initiativen anzustoßen. Dabei helfen auch die 30 Interventionsflächen, die die Stadt langfristig aufwerten. Fazit der Veranstalter: “Chemnitz hat 2025 gezeigt, was möglich ist, wenn Stadt, Region und Europa gemeinsam anpacken. Mehr Offenheit, mehr Kreativität, mehr Wir-Gefühl – und ein Impuls, der weit über 2025 hinaus wirkt.” Hier kann man noch Eindrücke von der Abschiedsshow sehen.
Kulturhauptstädte 2026
Am 5. Dezember geben die beiden europäischen Kulturhauptstädte 2025, Chemnitz und Nova Gorica/Gorizia, den symbolischen Staffelstab weiter: für das Jahr 2026 übernehmen Oulu in Finnland sowie Trenčin in der Slowakei.
Mehr hier (Pressemitteilung) und hier (Bilderstrecke auf Instagram).
Veranstaltungen und Tipps
Berliner Europapreis “Blauer Bär” für ehrenamtliches Europa-Engagement
Morgen ist es wieder so weit: Mit dem Europapreis “Blauer Bär” ehrt das Land Berlin am Internationalen Tag des Ehrenamtes beispielhaftes Europa-Engagement, das auf Freiwilligenbasis und ohne Gewinnbestrebung erfolgt. Der Preis wird seit 2015 in Zusammenarbeit mit der Vertretung der Europäischen Kommission in Deutschland verliehen.
Gesucht wurden Berlinerinnen und Berliner im Ehrenamt, die sich für die europäische Idee engagieren und die bei Berliner Europaprojekten und Aktionen herausragenden Einsatz gezeigt haben, sich und andere begeistern und damit das europäische Gemeinschaftsgefühl stärken. Zur Anerkennung und Wertschätzung ihres Europa-Engagements sind alle Nominierten und Gäste am 5. Dezember 2025 ab 17:00 Uhr in den Festsaal des Berliner Rathauses eingeladen. Weitere Informationen gibt es hier.
Jugend-Kampagne #LassReden startet in München
Wir laden junge Menschen und alle Interessierte herzlich ein, beim Start unserer neuen Jugendkampagne #LassReden am 12. Dezember ab 15.30 Uhr dabei zu sein! Vorgestellt werden das Konzept der Jugend-Kampagne sowie der „EU-Cube” und das Podium, die ab Anfang 2026 auf einer bundesweiten Tour junge Menschen zwischen 16 und 24 Jahren einbeziehen.
Die Kampagne gibt jungen Menschen die Möglichkeit, ihre Perspektiven, Anliegen und Ideen zu gesellschaftlichen und politischen Themen direkt einzubringen – offen, unkompliziert und ohne Filter. Ort: Hoch5 München, Atelierstraße 10. Die Anmeldefrist endet am Freitag, 12. Dezember, 12:00 Uhr. Zur Anmeldung geht es hier.
Weitere Veranstaltungen bzw. Termine finden Sie hier in unserem Überblick auf die kommenden Tage. Sie können unsere Terminvorschau auch abonnieren.
Archiv: Frühere Ausgaben der EU-Nachrichten finden Sie hier.
Archiv
Frühere Ausgaben der EU-Nachrichten finden Sie hier.