EU-Nachrichten 26.3.2026: EU-Australien | EU Inc. | Energieversorgung| AGILE | Datenkabel | 30 Jahre Marie-Curie-Maßnahmen | #LassReden in Hessen | Frauen in den Parlamenten Europas| Jugendkampagne Lass Reden in Offenbach | DiscoverEU
Editorial
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
Unsere Jugendkampagne #LassReden hat in dieser Woche in Lübeck, Ludwigsburg und Chemnitz Station gemacht. Die Tour für Menschen zwischen 16 und 24 Jahren ist seit Mitte Februar bundesweit unterwegs – mit dem Ziel, jungen Stimmen Raum zu geben und ihre Themen sichtbar zu machen. Einen Bericht zum Tourstopp an der Theodor-Heuss-Schule, einer Berufsschule in Offenbach am Main und Infos zu weiteren Stationen in dieser Ausgabe.
Wir berichten auch über ein wichtiges Zeichen für Stabilität und Verlässlichkeit in Zeiten geopolitischer Turbulenzen: Kommissionspräsidentin von der Leyen und der australische Premierminister Anthony Albanese haben Anfang der Woche in Canberra den endgültigen Text eines Freihandelsabkommens zwischen der EU und Australien vereinbart. Und auch im Bereich Sicherheit und Verteidigung bringen beide Partner ihre Zusammenarbeit voran. A true mateship, wie die Australier sagen!
Die nächste Ausgabe der EU-Nachrichten erscheint am 23. April. Wir wünschen unseren Leserinnen und Lesern eine erholsame Osterpause.
Viele Grüße vom Presseteam der Vertretung der Europäischen Kommission in Berlin. Haben Sie noch eine schöne Woche!
Highlights
Allein in den ersten drei Monaten dieses Jahres hat die Europäische Union drei historische Handelsabkommen vorangebracht: mit dem Mercosur, Indien - und nun in dieser Woche Australien. Sie sind Zeichen für Verlässlichkeit und für die gemeinsame Vision einer regelbasierten Welt – und sie bieten für Exporteure, Produzenten und Landwirte in der EU greifbare Vorteile. Es wird erwartet, dass aufgrund des Abkommens mit Australien die EU-Exporte in den nächsten zehn Jahren um bis zu 33 Prozent wachsen werden, mit jährlichen Ausfuhren im Wert von 17,7 Milliarden Euro. Zu den Schlüsselbranchen mit starkem Wachstumspotenzial zählen Milchprodukte, Autos und Chemikalien. Die Investitionen der EU in Australien könnten um über 87 Prozent steigen. Mit dem Abkommen stärkt die EU zudem ihre strategischen Interessen im Bereich der kritischen Rohstoffe und macht die Lieferketten der EU widerstandsfähiger gegenüber geopolitischen Schocks. Ausführlich hier. Ebenfalls in dieser Woche hat die Kommission das EU-Mercosur-Interimshandelsabkommen vorläufig notifiziert: es kann also ab dem 1. Mai 2026 vorläufig angewendet werden und schafft so vorhersehbare Regeln für Handel und Investitionen. Mehr dazu hier.
In weniger als 48 Stunden vollständig online ein Unternehmen gründen - das ermöglicht “EU Inc.” Die EU-Kommission hat die neue Rechtsform, das sogenannte 28. Regime, in der vergangenen Woche vorgeschlagen. “Mit EU Inc. machen wir es drastisch einfacher, ein Unternehmen in ganz Europa zu gründen oder zu expandieren”, sagte EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen bei der Vorstellung der neuen Unternehmensform. Zusätzliche Vereinfachung: Ein Unternehmen der EU Inc. kann für weniger als 100 Euro und ohne Mindestkapitalanforderungen gegründet werden.
Die Kommission appelliert an die Mitgliedstaaten, ihre Gasspeicher für den kommenden Winter rechtzeitig aufzufüllen. Die Energieversorgungssicherheit der EU bleibt aufgrund der begrenzten Abhängigkeit von Einfuhren aus dem Nahen Osten und LNG-Ladungen, die schon vor dem Krieg die Straße von Hormus passierten, derzeit gesichert. Aber rechtzeitige und koordinierte Vorbereitungen sind entscheidend. Mehr dazu und zur Gasspeicherung in Europa hier.
Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine hat gezeigt, dass militärischer Erfolg auch davon abhängt, neue Technologien und kostengünstige Lösungen in Wochen oder Monaten statt in Jahren zu entwickeln, zu testen und einzusetzen. Hier setzt das Pilotprojekt AGILE der EU-Kommission an. Ausgestattet mit 115 Millionen Euro, soll AGILE die Entwicklung, Erprobung und Marktakzeptanz beispielsweise von künstlicher Intelligenz und Quanten- oder Drohnentechnologie fördern. Der Schwerpunkt liegt auf der Unterstützung kleiner und mittlerer Unternehmen, einschließlich Start-ups und Scale-ups. Mehr dazu hier.
Unterseeische Datenkabel übertragen 99 Prozent des interkontinentalen Internetverkehrs und sind für unseren Alltag und die Wirtschaft unerlässlich. Da diese kritische Infrastruktur immer mehr Risiken ausgesetzt ist, verstärkt die EU die Sicherheit und Resilienz und investiert weitere 200 Millionen Euro in die Sicherheit von Unterseekabeln und in digitale Infrastruktur. Mehr zu den zwei neuen Aufrufen für Vorschläge hier.
Das EU-Vorzeigeprogramm für die Ausbildung, Mobilität und Karriereentwicklung von Forschenden Marie-Skłodowska-Curie-Maßnahmen (MSCA) wird 30 Jahre alt. MSCA ist offen für alle Forschungsdisziplinen und konnte in den letzten drei Jahrzehnten über 150.000 Forschende in allen Karrierestufen unterstützen. Was als kleines Stipendienprogramm begann, das jährlich einigen hundert Forschenden einen Auslandsaufenthalt ermöglichte, hat sich zu einem umfassenden Maßnahmenpaket entwickelt, das jährlich rund 8.000 Forschende durch Doktorandenprogramme, Postdoktorandenstipendien und Personalaustausch unterstützt. Die Nationalen Kontaktstelle MSC (NKS MSC) im Bundesministerium für Bildung, Forschung und Technologie in Deutschland begleitet das Jubiläum.
Weitere Pressemitteilungen zu aktuellen Themen finden Sie hier (Vertretung der Kommission in Berlin) und hier (Presseraum/Sprecherdienst der Kommission in Brüssel). Für unseren täglichen Newsletter kann man sich hier anmelden. Und folgen Sie uns gerne auch auf den sozialen Medien: Facebook, X, Instagram.
Europa vor Ort
Jugendkampagne #LassReden auf dem Pausenhof der Theodor-Heuss-Schule Offenbach
„Jungen Menschen wird zu wenig zugehört. Wir wünschen uns mehr politische Aufklärung in der Schule.“ Mit diesem Fazit verließ eine Freundesgruppe das Podcast-Studio der Jugendkampagne #LassReden auf dem Campus der Theodor-Heuss-Schule, einer Berufsschule in Offenbach am Main. Was zunächst wie ein Fremdkörper zwischen Berufsausbildung und Pausenlärm wirkte, entpuppte sich schnell als Raum für ehrliche Gespräche über Europa.
Vom 11. bis 13. März hieß es in Hessen: #LassReden. Die Jugendkampagne der Europäischen Kommission machte drei Tage lang Halt in Offenbach und bot den Schülerinnen und Schülern mit dem #LassReden Cube eine “sidequest” zum Unterricht.
Die EU mal anders: Bildungsauftrag schülernah umgesetzt
Der große, blaue Würfel weckte bald Neugier. Aber der Gedanke, darin Platz zu nehmen und am Mikrofon über Kritik, Fragen und Ideen rund um die EU zu sprechen, rief zunächst Zögern hervor. „Bei politischen Themen kann ich nicht mitreden“, meinten einige junge Leute. Doch in den Gesprächen vor und im Cube wurde deutlich, dass Politik die meisten Bereiche ihres Alltags berührt – von steigenden Tankpreisen über bezahlbaren Wohnraum bis hin zu Chancengleichheit.
Außenherum herrschte lebendige Stimmung: aus einer Box tönte Musik, der Fußball flog am Cube vorbei, zwei Schülerinnen nahmen ihren eigen “Vlog” zu #LassReden auf und andere unterhielten sich begeistert mit dem Influencer Milan-David Kuzniak.
Ein Ort, an dem die EU plötzlich greifbar wird. „Ich bin froh, dass Schülerinnen und Schüler Europa hier anders erleben als im Unterricht. Wir wollen junge Menschen ermutigen, aktiv ihre Zukunft mitzugestalten. Dieser Bildungsauftrag wird durch #LassReden schülernah umgesetzt”, fasste es Schulleiterin Michaela Makosz zusammen.
„Damit du’s nicht mit dir rumtragen musst”
Dieser Slogan ist auf den Stofftaschen zu lesen, mit denen die Teilnehmenden den #LassReden Cube verlassen. Einige liefen euphorisch die kleine Rampe des Podcast-Studios hinunter, andere wirkten nachdenklich. Die meisten waren stolz, ihre Meinung gesagt zu haben: „Die EU muss sich mehr für Frauenrechte einsetzen!” und „Ich wünsche mir mehr Awareness für Menschen mit Behinderung. Die Barrierefreiheit muss besser ausgebaut werden.” Das waren nur zwei unter vielen Forderungen, die die Schülerinnen und Schüler vor Ort loswerden konnten. Weiterhin können junge Menschen in ganz Deutschland auch online ihre Meinung abgeben – entweder auf der #LassReden Website oder auf Social Media.
Der Beginn eines langfristigen Dialogs
„Ich finde es super, dass im Anschluss auf die Beiträge der jungen Menschen eingegangen wird“, betonte eine Lehrerin der Schule. Aktuell werden alle Offline- und Online-Meinungen gesammelt. Im Frühsommer 2026 wird die Europäische Kommission die wichtigsten Themen aufgreifen und in verschiedenen Formaten darauf reagieren. Besonders interessierte Teilnehmende erhalten außerdem die Möglichkeit, nach Brüssel zu reisen und so in direkten Austausch mit politischen Entscheidungsträgern zu treten.
Aktuell läuft aber noch die Reise des #LassReden Cubes. Nach dem Stopp in Offenbach ging es am 23. März weiter nach Lübeck. Seit gestern ist das #LassReden Team in Chemnitz – Eindrücke von vor Ort gibt es im Story Highlight auf Instagram.
Ansonsten bleibt unser Angebot an junge Leute: #LassReden. Sagt uns online eure Meinung oder kommt zu unserem nächsten Stopp in Ludwigshafen (30./31. März)!
Europa in Zahlen
Frauenanteil in den Parlamenten: In vielen europäischen Staaten sind mehr Frauen in den Parlamenten vertreten als in Deutschland
Ein Drittel der Parlamentarier in Europa sind Frauen: 2025 waren es EU-weit 33,6 Prozent, ein Anstieg um 5,4 Prozentpunkte im Vergleich zu 2015. Im Bundestag betrug der Frauenanteil 2025 32,7 Prozent. Im Vergleich: 2015 waren es noch 36,2 Prozent. Im Gegensatz zu Deutschland konnten die anderen EU-Länder seit 2015 einen Anstieg des Frauenanteils verzeichnen.
In vielen europäischen Staaten sind zudem anteilig mehr Frauen in den Parlamenten vertreten als in Deutschland, beispielsweise in allen skandinavischen Staaten (jeweils mehr als 44 Prozent), die niedrigsten Anteile verzeichnen Zypern (14,3 Prozent) und Ungarn (15,6 Prozent). In einigen EU-Ländern stieg der Frauenanteil im Parlament in den letzten Jahren um mehr als 10 Prozentpunkte: Lettland (+19,0 Prozentpunkte), Malta (+14,8 Prozentpunkte), Frankreich (+10,9 Prozentpunkte) und Tschechien (+10,6 Prozentpunkte).
Mehr Frauen in nationalen Regierungen
EU-weit hatten 2025 Frauen 31,9 Prozent der Ämter in der nationalen Regierung inne, was einem Anstieg um 4,2 Prozentpunkte gegenüber 2015 entspricht. Der Frauenanteil in der Regierung war in Finnland am höchsten (60,0 Prozent). Die Parität wurde in Schweden (50,0 Prozent) erreicht, in Frankreich war fast die Hälfte der Mitglieder der nationalen Regierung weiblich (48,6 Prozent), in Deutschland 41,7 Prozent, (2015: 40,8 Prozent). In Ungarn gab es 2025 keine Frauen in der nationalen Regierung, in Rumänien nur 10,5 Prozent und Tschechien 11,8 Prozent. Weitere Zahlen der EU-Statistikbehörde Eurostat zum Frauenanteil in Parlamenten und Regierungen in Europa hier.
Veranstaltungen und Tipps
Mit DiscoverEU in Europa unterwegs: 6.000 bis 7.000 Tickets sind für junge Zugreisende aus Deutschland reserviert
Die Europäische Kommission bietet wieder 40.000 kostenlose DiscoverEU-Reisetickets an. Auf ihrer Entdeckungstour können 18-jährige Europäerinnen und Europäer damit die Vielfalt, Kultur, Geschichte und Menschen Europas kennenlernen. Die Bewerbung ist vom 8. bis 22. April möglich. Wer sich erfolgreich beworben hat, kann ab 1. Juli 2026 für 30 Tage Europa erkunden. Wie das abläuft, bestimmen die jungen Erwachsenen selbst. Für junge Menschen aus Deutschland sind zwischen 6.000 und 7.000 Tickets reserviert.
DiscoverEU ist Teil des EU-Programms Erasmus+. Seit 2018 haben bereits über 464.000 junge Menschen die Möglichkeit genutzt, auf Schienen durch Europa zu reisen, neue Städte und Landschaften kennenzulernen und neue Freundschaften zu schließen. Zur Bewerbung geht es hier.
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