Am 27. Juli 2025 einigten sich die Präsidentin der Europäischen Kommission Ursula von der Leyen und US-Präsident Donald J. Trump auf ein Zoll- und Handelsabkommen. Wir erklären hier die Energieaspekte der Vereinbarung.
EU-Energieimporte aus den USA: Stand der Dinge
Die USA sind bereits einer der wichtigsten Energiepartner der EU:
- Sie sind mit Abstand der größte Lieferant von Flüssigerdgas (LNG): mehr als 55 Prozent der europäischen LNG-Versorgung im laufenden Jahr stammt aus den USA.
- Die USA sind auch der wichtigste Öllieferant der EU (17 Prozent aller EU-Einfuhren im Jahr 2024) und
- ein entscheidender Lieferant von Kernbrennstoffen und Dienstleistungen in diesem Bereich. Die entsprechenden US-Ausfuhren in die EU beliefen sich im Jahr 2024 auf rund 700 Millionen Euro.
Die gesamte LNG-Einfuhrkapazität der EU beläuft sich nun auf rund 250 Milliarden Kubikmeter pro Jahr. Das ist mehr als doppelt so hoch wie die derzeitigen jährlichen LNG-Einfuhren. Insbesondere wurden zwischen 2022 und 2024 in der gesamten EU 12 neue LNG-Terminals und sechs Erweiterungsprojekte in Betrieb genommen, wodurch sich die Einfuhrkapazität um 70 Milliarden Kubikmeter erhöht hat. Die EU hat in den vergangenen Jahren jährlich rund 50 Milliarden Kubikmeter LNG aus den USA importiert.
Derzeit verfügen 12 Mitgliedstaaten (Belgien, Deutschland, Spanien, Finnland, Frankreich, Griechenland, Italien, Litauen, Malta, die Niederlande, Polen und Portugal) über die notwendige Infrastruktur für die Einfuhr von Flüssigerdgas. Die EU verfügt über ausreichende Kapazitätsreserven, um zusätzliche LNG-Importe, auch aus den USA, aufzunehmen, um russische Gasimporte zu ersetzen.
Was sieht das Handelsabkommen zwischen der EU und den USA im Bereich Energie vor?
Die politische Einigung zwischen der EU und den USA wird die transatlantische Zusammenarbeit zur Gewährleistung einer sicheren Energieversorgung weiter verstärken.
Die Einigung beinhaltet die Absicht der EU, in den nächsten drei Jahren, also bis Ende 2028, mehr US-Flüssigerdgas, Öl und Kernbrennstoffe sowie Spitzentechnologien zu beziehen und Investitionen zu ermöglichen. Mit einem erwarteten Volumen von rund 750 Milliarden US-Dollar (ca. 700 Milliarden Euro) über diesen gesamten Zeitraum wird die Vereinbarung zur Umsetzung unseres REPowerEU-Plans und der dazugehörigen Roadmap beitragen, mit dem Ziel, alle russischen Energieimporte vollständig zu ersetzen.
Diese Schätzungen spiegeln die Stärke der Energiepartnerschaft mit den USA wider, die zum Hauptlieferanten von Öl und LNG in der EU geworden sind. Sie folgt zudem auf umfangreiche Arbeiten mit den EU-Mitgliedstaaten, der Industrie und anderen Interessenträgern, um den nötigen Energiebedarf zu ermitteln, um die vollständige Energieunabhängigkeit der EU von Russland, die Energieversorgungssicherheit Europas und niedrigere Preise für Bürgerinnen und Bürger und Unternehmen zu gewährleisten.
Seit der Annahme des Aktionsplans für erschwingliche Energie im Februar 2025 arbeitet die Kommission intensiv mit US-amerikanischen LNG-Lieferanten zusammen. Aufgrund dieser vorbereitenden Arbeiten steht die Kommission bereit, ein spezielles Verfahren – AggregateEU – zu organisieren, um die Nachfrage von EU-Unternehmen zu erheben und sie mit US-amerikanischen LNG-Lieferungen für den Zeitraum 2025 bis 2050 abzugleichen.
AggregateEU ist die Leitinitiative der Kommission zur Nachfragebündelung und koordinierten Gasbeschaffung auf europäischer Ebene im Rahmen der EU-Energieplattform, die im April 2023 ins Leben gerufen wurde, um die Energieversorgung der EU vielfältiger, sicherer und koordinierter zu gestalten.
Während die Kommission Kontakte zwischen relevanten Käufern und Verkäufern in der EU erleichtert, liegen Geschäftsentscheidungen selbstverständlich bei den Unternehmen selbst. Gleichzeitig müssen die USA diese Käufe unterstützen, indem sie einen uneingeschränkten Zugang und ausreichende Produktions- und Exportkapazitäten gewährleisten.
Analyse der Zahlen
Die Zahl von 250 Milliarden US-Dollar pro Jahr in den nächsten drei Jahren entspricht dem geschätzten Durchschnitt der gesamten Energieeinfuhren der EU aus den USA auf der Grundlage einer gründlichen und soliden Bewertung, bei der Folgendes berücksichtigt wurde:
- Derzeitige Einfuhrmengen von US-amerikanischen LNG-, Öl-, Kernbrennstoffen und -Dienstleistungen in die EU, die sich bereits auf rund 90 bis 100 Milliarden US-Dollar pro Jahr belaufen. Parallel dazu diversifizieren wir weiterhin Energiequellen und investieren langfristig in die Energiewende.
- Geschätzte zusätzliche Mengen an Öl, Gas und Kernbrennstoffen, auch als Teil der Abkehr von fossilen Brennstoffen aus Russland. Im Jahr 2024 importierte die EU immer noch etwa 22 Milliarden Euro an fossilen Brennstoffen aus Russland und etwa 700 Millionen Euro an Kernmaterial.
- Wichtige US-Investitionen in Energietechnologie, Dienstleistungen und Ausfuhren in die EU, insbesondere im Nuklearsektor für konventionelle und kleine modulare Reaktoren (SMR), wo wir bereits klare Hinweise darauf haben, wo US-Unternehmen beteiligt sind.
Während solide Projektionen entwickelt wurden, werden die endgültigen Mengen und die Aufschlüsselung zwischen Öl-, LNG- und Kernbrennstoff- und Brennstoffdienstleistungen von verschiedenen Faktoren abhängen. Dazu gehören Rohstoffpreise, Wechselkurse, Investitions-Entscheidungen von Projektträgern usw. Diese werden durch kommerzielle Transaktionen bestimmt.
Festhalten an den Dekarbonisierungszielen der EU
Das Handelsabkommen zwischen der EU und den USA untergräbt nicht die Entschlossenheit der EU, unsere Volkswirtschaften innerhalb eines klaren Zeitrahmens zu dekarbonisieren. Während das Abkommen einen Anstieg der Energieimporte aus den USA in den nächsten drei Jahren beinhaltet, ist es voll und ganz mit unserer mittel- und langfristigen Politik vereinbar, unsere Energiequellen zu diversifizieren und den REPowerEU-Fahrplan umzusetzen, um russische Energieimporte so schnell wie möglich vollständig einzustellen.
Die EU setzt sich weiterhin uneingeschränkt für die Verwirklichung der Klimaneutralität bis 2050 ein – dem Kernziel des europäischen Grünen Deals. Die Europäische Kommission hat gerade ein aktualisiertes Klimagesetz mit einem ehrgeizigen Ziel zur Verringerung der Treibhausgasemissionen um 90 Prozent für 2040 vorgeschlagen.

Weitere Informationen
Factsheet im englischen Original
Pressemeldung vom 29. Juli: Zoll- und Handelseinigung von EU und USA: Übersicht, Daten und Fakten
Pressemeldung vom 28. Juli: Handel: Einigung zwischen EU und USA
Pressekontakt: birgit [dot] schmeitzner
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Einzelheiten
- Datum der Veröffentlichung
- 31. Juli 2025
- Autor
- Vertretung in Deutschland