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Vertretung in Deutschland
Pressemitteilung17. Mai 2023Vertretung in Deutschland

Erste Tagung des Handels- und Technologierates (TTC): Die EU und Indien vertiefen ihre strategische Zusammenarbeit

Participation of Margrethe Vestager, and Valdis Dombrovksis, Executive Vice-Presidents of the European Commission, and Thierry Breton, European Commissioner, in the EU/India Trade and Technology Council

Hochleistungsrechner, Halbleiter, Abfallmanagement und widerstandsfähige Wertschöpfungsketten: Die EU und Indien wollen ihre strategische Zusammenarbeit vertiefen. Gestern fand dazu in Brüssel die erste Ministertagung des Handels- und Technologierates (TTC) statt.  Die Ministertagungen werden mindestens einmal jährlich abwechselnd in der EU und in Indien stattfinden. In der Zeit zwischen den Tagungen werden Arbeitsgruppen regelmäßig zusammentreten. Die nächste Ministertagung ist für Anfang 2024 in Indien geplant.

„Heute haben wir einen wichtigen Schritt zur Vertiefung unserer strategischen Zusammenarbeit mit Indien in wichtigen digitalen, ökologischen und handelspolitischen Fragen getan. Gemeinsam werden wir die Herausforderungen mit vertrauenswürdiger Technologie und Sicherheit angehen. Ein auf den Menschen ausgerichteter digitaler Wandel ist der Ausgangspunkt“, sagte Exekutiv-Vizepräsidentin Margrethe Vestager, die mit  Exekutiv-Vizepräsident Valdis Dombrovskis den gemeinsamen Vorsitz des Ministertreffens aufseiten der EU führt. „Wir müssen eine sichere und vertrauenswürdige Konnektivität und robuste IKT-Lieferketten als Teil des wirtschaftlichen De-Riskings aufbauen, und werden uns für bessere Dienstleistungen für die Bürger einsetzen, vor allem durch digitale öffentliche Infrastrukturen.“

Aufseiten Indiens führten Außenminister Subrahmanyam Jaishankar, Handels- und Industrieminister Piyush Goyal sowie Rajeev Chandrasekhar, Minister für Kompetenzentwicklung, Unternehmertum und Elektronik und Informationstechnologie, den gemeinsamen Vorsitz des Ministertreffens. Zugegen waren ebenfalls der Hohe Vertreter/Vizepräsident Josep Borrell sowie der für den Binnenmarkt zuständige EU-Kommissar Thierry Breton.

Der Handels- und Technologierat soll den Handel zwischen der EU und Indien intensivieren. Im Jahr 2022 erreichte er mit einem Handelsvolumen von 120 Milliarden Euro einen historischen Höchststand erreicht hat. Im Bereich digitale Produkte und Dienste allein belief sich das Handelsvolumen im Jahr 2022 auf 17 Milliarden Euro.

Wichtigste Ergebnisse

Die EU und Indien haben den Handels- und Technologierat als Koordinierungsplattform eingerichtet, um die wichtigsten Herausforderungen in den Bereichen Handel, vertrauenswürdige Technologien und Sicherheit anzugehen. Die Ministertagung stützte sich auf die Vorbereitungsarbeiten von drei Arbeitsgruppen.

  • Strategische Technologien, digitale Governance und digitale Konnektivität

Die Europäische Union und Indien werden bei Forschungs- und Entwicklungsprojekten im Bereich Hochleistungsrechnen und Quanteninformatik zusammenarbeiten, um zur Bewältigung von Herausforderungen wie Klimawandel und Naturkatastrophen beizutragen und die Gesundheitsversorgung durch personalisierte Medizin zu verbessern. Zudem verpflichteten sich beide Partner dazu, eine Zusammenarbeit im Bereich vertrauenswürdige künstliche Intelligenz anzustreben und sich in Bezug auf ihre Politik betreffend den strategisch wichtigen Halbleitersektor über eine eigene Vereinbarung abzustimmen. Die EU und Indien werden darauf hinarbeiten, die Lücke bei den digitalen Kompetenzen zu schließen und den Austausch zum Thema digitale Talente zu fördern. Beide Partner werden sich für die Einführung von Normen in den Bereichen 5G, Telekommunikation und Internet der Dinge einsetzen. Sie werden die Interoperabilität zwischen ihren jeweiligen digitalen öffentlichen Infrastrukturen verbessern und für Entwicklungsländer sichere Lösungen fördern, die den Schutz der Privatsphäre gewährleisten.

  • Grüne Technologien und Technologien für saubere Energie

Die Zusammenarbeit im Bereich Forschung und Innovation gilt als wichtiges Instrument, um Potenziale zu erschließen und neue und nachhaltige Technologien auf den Markt zu bringen. Die Europäische Union will bis 2050 klimaneutral werden, Indien bis 2070. Um diese Ziele zu erreichen, werden beide Partner Innovationen vorantreiben und die Forschungsanstrengungen im Hinblick auf eine sichere und nachhaltige Entwicklung verstärken. Die EU und Indien werden sich auf die folgenden Themen konzentrieren: Abwassermanagement, einschließlich Umwandlung von Plastikabfällen und Müll in Wasserstoff, Recycling von Batterien für Elektrofahrzeuge sowie Normierung (pränormative Forschung). Durch die Zusammenarbeit in diesen Bereichen sollen auch die Rolle von Start-up-Unternehmen und der Aufbau von Kompetenzen und Kapazitäten gestärkt werden.

  • Handel, Investitionen und widerstandsfähige Wertschöpfungsketten

Die EU und Indien haben vereinbart, ihre gemeinsame Arbeit an widerstandsfähigen Wertschöpfungsketten zu vertiefen, auf die Beseitigung bilateraler Marktzugangsprobleme hinzuarbeiten und Informationen über ihre jeweiligen Mechanismen für die Überprüfung ausländischer Direktinvestitionen auszutauschen. Sie werden sich auch mit globalen und multilateralen Handelsfragen befassen, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf der Welthandelsorganisation liegt. Beide Seiten haben ferner vereinbart, ihre Zusammenarbeit im Bereich CO2-Grenzausgleichsmaßnahmen zu intensivieren.

Die Arbeiten im Rahmen des Handels- und Technologierates werden parallel zu den laufenden Verhandlungen über umfassende und ehrgeizige Abkommen über Handel, Investitionsschutz und geografische Angaben fortgesetzt, mit denen unser beträchtliches, aber weitgehend ungenutztes Handels- und Investitionspotenzial maximiert werden soll.

Hintergrund

Die Partnerschaft mit Indien ist eine der wichtigsten Beziehungen für das kommende Jahrzehnt, und ihre Stärkung, auch durch den Handels- und Technologierat, ist eine Priorität.

Die EU und Indien unterhalten bereits solide Handelsbeziehungen. Die EU ist mit einem Warenhandel von 120 Milliarden Euro im Jahr 2022 bzw. 10,8 Prozent des gesamten indischen Handels der zweitgrößte Handelspartner Indiens. Indien ist mit einem Anteil von 2 Prozent am gesamten Warenhandel der EU der zehntgrößte Handelspartner der EU. Der Dienstleistungshandel zwischen der EU und Indien erreichte 2021 ein Volumen von 40 Milliarden Euro.

Diese erste Ministertagung folgt auf die Auftaktveranstaltung vom 6. Februar 2023 und die Ankündigung der Präsidentin der Europäischen Kommission Ursula von der Leyen und des indischen Premierministers Narendra Modi vom 25. April 2022 in Neu-Delhi.

Der Handels- und Technologierat EU-Indien ist für die EU das zweite bilaterale Forum und für Indien das erste, das mit einem seiner Partner eingerichtet wurde. Im Juni 2021 riefen die EU und die Vereinigten Staaten einen Handels- und Technologierat ins Leben. Der Handels- und Technologierat EU-Indien wird die Digitalpartnerschaften ergänzen, die bereits im Rahmen der EU-Strategie für die Zusammenarbeit im indopazifischen Raum mit asiatischen Partnern geschlossen wurden.

Weitere Informationen:

Die vollständige Pressemitteilung

Gemeinsame Erklärung zum Handels- und Technologierat EU-Indien

Factsheet

Ankündigung zur Einrichtung des TTC

Pressekontakt: Laura [dot] Bethkeatec [dot] europa [dot] eu (Laura Bethke), Tel.: +49 (30) 2280- 2200

Anfragen von Bürgerinnen und Bürgern beantwortet das Team des Besucherzentrums ERLEBNIS EUROPA per frageaterlebnis-europa [dot] eu (E-Mail) der telefonisch unter (030) 2280 2900.

Einzelheiten

Datum der Veröffentlichung
17. Mai 2023
Autor
Vertretung in Deutschland