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Vertretung in Deutschland
Pressemitteilung23 November 2022Vertretung in Deutschland

LIFE-Programm: Rund 380 Millionen Euro für Projekte im Sinne des Grünen Deals

Auf dem Bild sieht man ein Piktogram innerhalb eines weißen Kreises. In der Mitte des Kreises ist die Erde dargestellt, unten recht sieht man im Kreis der Erde außerdem ein kleines Herz. Oben rechts wird der große Kreis des Piktograms durche einen kleineren Kreis durchbrochen, in dem sich dargstelle Blätter befinden. Unten links wird der große Kreis des Piktograms durch einen kleinen Kreis unterbrochen, in dem sich eine Darstellung (Blätter + eine Stecker) für grünen Strom befindet. Der Hintergrund ist lila

Wenige Tage nach der Klimakonferenz COP27 und zwei Wochen vor Beginn der Biodiversitätskonferenz COP15 gewährt die Kommission weitere Mittel für ihre Prioritäten des europäischen Grünen Deals. Sie hat im Rahmen des LIFE-Programms für Umwelt- und Klimapolitik mehr als 380 Millionen Euro für europaweit 168 neue Projekte genehmigt. Damit werden die Mittel im Vergleich zum vergangenen Jahr um gut ein Viertel (27 Prozent) aufgestockt. Sie sollen mehr als 562 Millionen Euro an Investitionen mobilisieren.

Der für den Europäischen Grünen Deal zuständige Vize-Kommissionspräsident Frans Timmermans sagte: „Inzwischen wissen wir alle, dass die Auswirkungen des Klimawandels wie extreme Hitze, Dürren und Überschwemmungen unsere natürlichen Ökosysteme schwer schädigen. Auf der COP27 in Scharm El-Scheich hat die EU auf jeder Bühne deutlich gemacht, dass wir den Ehrgeiz in Taten umsetzen müssen, um diese Auswirkungen zu bewältigen und die Dekarbonisierung zu beschleunigen. Hier können LIFE-Projekte zum Einsatz kommen. Wie ihre Vorgänger werden auch die neuen LIFE-Projekte vor Ort konkret greifen, vielen Werten des Grünen Deals zur Geltung verhelfen und die EU bei der Bewältigung der Klimakrise unterstützen.“

Umweltkommissar Virginijus Sinkevičius fügte hinzu: „Die Krisen Klimawandel, Verlust an biologischer Vielfalt und Umweltverschmutzung müssen zusammen angegangen werden. Auf dem UN-Biodiversitätsgipfel (COP15) im Dezember müssen sich alle Länder auf einen ehrgeizigen Deal verständigen, um die Zerstörung der Natur zu stoppen und umzukehren. In Europa haben wir mit dieser Arbeit bereits begonnen, und heute lassen wir den Worten auch Taten folgen. Die Politik, die wir beschließen, wird durch LIFE-Projekte in Lösungen vor Ort umgesetzt, die zu einem tiefgreifenden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wandel führen.“

Die Projekte decken vier Teilprogramme ab:

  • Natur und Biodiversität, 
  • Kreislaufwirtschaft und Lebensqualität, 
  • Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel sowie 
  • Energiewende 

LIFE-Projekte können dazu beitragen, dass die EU bis 2050 klimaneutral wird. Sie unterstützen die Biodiversitätsstrategie für 2030 und den Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft und tragen gleichzeitig zur Energiewende überall in Europa bei.

Die acht deutschen Projekte:

Im Bereich Natur und biologische Vielfalt ist ein Projekt in Brandenburg verortet, das die als gefährdet eingestufte Dicke Flussmuschel im Blick hat: In 14 Natura-2000-Gebieten will das Team die Süßwassermuscheln wieder ansiedeln, erhalten bzw. der Bestand vergrößern. Die Maßnahmen zielen auf fließende Gewässer in den Einzugsgebieten Elbe, Havel und Spree ab.

Ein von Uniper in Düsseldorf koordiniertes Projekt dreht sich um die Wasserlinsen „Lemna“. Bisher wurden solche Linsen aufgrund von Kosten- und Sicherheitsbedenken nicht im industriellen Maßstab gezüchtet. Das Team plant den ersten großflächigen vertikalen Anbau und will nachweisen, dass sie eine umweltfreundliche Alternative zu anderen Proteinquellen sind. Dieses Projekt läuft unter dem Oberbegriff Umwelt und Ressourceneffizienz.

Ein von Siemens in München koordiniertes Projekt soll Umweltvorteile aufzeigen, wenn man die in Yachten üblichen Diesel-Generatoren durch eine nachhaltigere Alternative ersetzt. Konkret: durch einen Methanolreformer in Verbindung mit einer Polymerelektrolytmembran (PEM). Dieses Hilfsaggregat in der Superyacht Sanlorenzo soll den Nachweis erbringen, dass sich so die Emissionen und der Lärm an Bord wie unter Wasser verringern lässt. Der Seeverkehr war 2020 für 13,5 Prozent aller Treibhausgasemissionen in der EU verantwortlich.

Die Hamburger Umweltschutzorganisation Baltic Environmental Forum (BEF) Deutschland bekommt Förderung für ein Projekt aus dem Bereich Verwaltungspraxis und Information im Umweltbereich: Es geht um eine Kampagne, mit der das Verbraucherverhalten in Bezug auf schädliche Chemikalien verbessert werden soll. Basierend auf dem Vorgängerprojekt und begleitet durch ein Bildungsprojekt soll ein „Haushaltscheck“ die Nutzer ermutigen, ihre Haushaltsgüter zu inventarisieren und vorteilhafte Änderungen vorzunehmen.

Die LEW Wasserkraft GmbH in Augsburg legt ein Projekt auf, das den Bedarf an erneuerbarer Energie aus Wasserkraft mit dem guten ökologischen Funktionieren von Flüssen in Einklang bringen will. Das Team wird an einem Pilotstandort ein dynamisches Managementkonzept umsetzen. Es soll sicherstellen, dass auch in Niedrigwasserphasen – die häufiger bei steigenden Temperaturen auftreten – der Wasserstand für die Stromerzeugung ausreicht und das Fluss-Ökosystem in einem nicht kritischen Bereich bleibt. Dieses Projekt gehört zum Bereich Anpassung an den Klimawandel.

Im Bereich Verwaltungspraxis und Information im Klimabereich ist ein Projekt eines Vereins in Berlin angesiedelt (2° Investing Initiative Deutschland e.V.): Das Team wird Unternehmen bei der Bewältigung von Klimastress unterstützen. Es geht u.a. darum, den Zugang des Privatsektors zu angemessenen Finanzmitteln zu erleichtern, Nachhaltigkeitsthemen bei Klima-Stresstests zu implementieren und ein Archiv dazu aufzubauen. Auch Schulungen sind geplant.

Im Bereich Energiewende gehen Fördermittel an die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen. Hier geht es um ein neues Zertifizierungssystem für KMU (Kleinere und mittlere Unternehmen) im Bereich der sauberen Energie, basierend auf dem Rahmen der EU-Taxonomie. Das Zertifizierungssystem wird den Finanzmarktakteuren dabei helfen, die Nachhaltigkeit ihrer Energieinvestitionen zu bewerten, und sollte zu einer schnelleren Ausweitung der Investitionen in nachhaltige Energie beitragen. Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) machen mehr als 99 Prozent aller Unternehmen in der EU aus und machen mehr als die Hälfte des BIP. Die überwiegende Mehrheit fällt jedoch außerhalb der Berichtspflichten für die EU-Taxonomie – ein Klassifizierungssystem für nachhaltige Wirtschaftstätigkeiten. Damit haben Finanzinstitute keinen Zugang zu den sie betreffenden Nachhaltigkeitsdaten.

Im selben Bereich ist das Projekt in Frankfurt am Main angesiedelt: Die European DataWarehouse GmbH will eine Lösung für grüne Hypothekenfinanzierung finden. Verbraucher sollen über ein „Portal für grüne Investitionen“ Kreditangebote bekommen, die Verbesserungen in der Energieeffizienzklasse ihrer Immobilien belohnen, sie bei der Umsetzung und der Erlangung neuer Energielabels unterstützen. Erprobt wird das in den Niederlanden und in Spanien.

Ein Überblick über die anderen europaweiten Vorreiter-Projekte:

Im Rahmen eines Naturprojekts wird das städtische Biodiversitätsmanagement in Tartu (Estland), Aarhus (Dänemark) und Riga (Lettland) verbessert, um die um die Gesundheit der Ökosysteme zu verbessern und die Verbindungen zwischen ihnen wiederherzustellen. Zu den geplanten Maßnahmen gehören die Wiederherstellung von Lebensräumen und die Einbindung von Gemeinschaften in diesen Städten bei der Erhaltungs- und Wiederherstellungsarbeit.

Zur Förderung der Kreislaufwirtschaft wird ein spanisches Projekt hybride und vollelektrische Traktoren für den Einsatz in Weinbergen und Obstplantagen und die Elektrifizierung unterstützender Maschinen fördern. Hier soll gezeigt werden, dass der Kraftstoffverbrauch um 45 % und die Verwendung von Schmieröl um 30 % gesenkt werden kann.

Ein Projekt in Italien zielt darauf ab, ein neues Geschäftsmodell der Kreislaufwirtschaft zu entwickeln, das auf dem Sammeln, Sortieren und Recycling von Outdoor-Schuhen beruht. Das Ziel: Sekundärrohstoffe für die Herstellung neuer hochwertiger Schuhe zu gewinnen.

Zur Unterstützung der Anpassung an den Klimawandel im Agrarsektor wird ein Projekt in Zypern und Griechenland innovative Techniken zur Verringerung der Risiken im Zusammenhang mit Wüstenbildung, nicht nachhaltigen landwirtschaftlichen Verfahren und Waldbränden entwickeln, demonstrieren und fördern.

In Lettland und Finnland werden im Rahmen eines Projekts Maßnahmen zur Eindämmung des Klimawandels in Torfgebieten durchgeführt. Demonstriert werden sollen innovative Tools zur Überwachung von Treibhausgasemissionen und Wiederherstellung von Torfflächen, darunter auch Fernerkundung und Modellierung.

Zur Energiewende werden in sieben Projekten 16 neue zentrale Anlaufstellen eingerichtet, die in fünf EU-Ländern Tausende von Hauseigentümern bei der energetischen Renovierung unterstützen.

Drei Projekte werden den Haushalten dabei helfen, ihre Energiekosten zu senken, und zwar durch energetische Renovierungskonzepte für benachteiligte Gebiete und maßgeschneiderte Renovierungsfahrpläne in Süd- und Osteuropa.

Sechs Projekte dienen der Förderung von Energiegemeinschaften lokaler und regionaler Ebene bei Investitionen in die Energiewende. Die Energiegemeinschaften werden sich auch an Projekten zur Energieeffizienz und zur Energieerzeugung aus erneuerbaren Quellen beteiligen, einschließlich gemeinschaftlicher Wärme- und Kälteerzeugung in ganz Europa. 

Finanzierung nach Teilprogrammen

Natur und Biodiversität

  • 27 Naturschutz- und Biodiversitätsprojekte* werden dazu beitragen, die biologische Vielfalt in Europa zu schützen und die Umsetzung der Vogelschutz- und der Habitat-Richtlinie, der EU-Biodiversitätsstrategie für 2030 und des vorgeschlagenen Gesetzes zur Wiederherstellung der Natur zu unterstützen. Sie sind mit knapp 195 Millionen Euro ausgestattet, von denen die EU 127 Millionen Euro beisteuert.
  • 38 Umwelt- und Ressourceneffizienzprojekte* werden dazu beitragen, die Umwelt wiederherzustellen und Technologien zu entwickeln zur Unterstützung des Aktionsplans für die Kreislaufwirtschaft. Sie werden 144 Millionen Euro mobilisieren, von denen die EU 86 Millionen Euro bereitstellt.
  • 7 Projekte* im Bereich verantwortungsvolle Umweltpolitik werden über Umweltprobleme wie den Verlust der biologischen Vielfalt oder Luftverschmutzung aufklären. Ferner werden Behörden die Instrumente zur Aufklärung über die und zur Überwachung und Durchsetzung der EU-Umweltvorschriften an die Hand gegeben. Das Gesamtbudget für die Projekte beläuft sich auf 10 Millionen Euro, von denen die EU mehr als 6 Millionen Euro zur Verfügung stellt.

* Im Rahmen dieser Teilprogramme werden bis Ende 2022 voraussichtlich noch weitere Projekte von der Reserveliste finanziert.

Klimaschutz

Insgesamt werden 30 LIFE-Projekte im Umfang von rund 114 Millionen Euro zur Umsetzung des EU-Klimagesetzes und der Anpassungsstrategie beitragen und den Übergang zu einer klimaneutralen, energieeffizienten, auf erneuerbaren Energien basierenden und widerstandsfähigen Wirtschaft fördern. Davon werden

  • 11 Projekte zur Eindämmung des Klimawandels dazu beitragen, Treibhausgasemissionen zu verringern durch eine nachhaltige Bewirtschaftung von Land, Wäldern und Meeren; innovative Lösungen für saubere Energie; den Ersatz und die Wiederverwendung von F-Gasen. Sie werden ca. 50 Millionen Euro mobilisieren, von denen die EU rund 30 Millionen Euro bereitstellt.
  • 13 Projekte zur Anpassung an den Klimawandel Städte und Regionen bei der Anpassung unterstützen durch die Förderung von Lösungen für die Anpassung an den Klimawandel in Land- und Forstwirtschaft sowie in der Wasserbewirtschaftung, die Stärkung der Widerstandsfähigkeit von Infrastrukturen und Gebäuden und die Unterstützung tragfähiger naturbasierter Lösungen in Städten und Landschaften. Sie werden rund 52 Millionen Euro mobilisieren, von denen über 30 Millionen Euro aus EU-Töpfen stammen.
  • 6 LIFE-Projekte zur verantwortungsvollen Klimapolitik und Information im Klimabereich die Umsetzung der Klimapolitik verbessern und die Öffentlichkeit und Interessenträger über verschiedene Aspekte des Klimawandels informieren. Sie sind mit 12 Millionen Euro ausgestattet, von denen die EU mehr als 7 Millionen Euro beisteuert.

Energiewende

  • 67 Projekte zielen auf die Schaffung eines günstigen Markt- und Regelungsumfelds in der EU für die Energiewende ab, insbesondere durch die Förderung und Einführung von Energieeffizienzlösungen und kleinmaßstäblichen Lösungen für erneuerbare Energien. Sie verfügen über ein Gesamtbudget von über 100 Millionen Euro, von denen die Kommission rund 96 Millionen Euro bereitstellen wird. Diese Projekte werden die Umsetzung der EU-Politik für saubere Energie unterstützen und die Lücken zwischen der Entwicklung und Umsetzung der Politik in den Bereichen Energieeffizienz und erneuerbare Energien schließen. Aus diesem Grund unterstützen sie die vorgeschlagenen Überarbeitungen der EU-Richtlinien über erneuerbare Energien, Energieeffizienz und die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden, die im REPowerEU-Plan und im Paket „Fit für 55“ vorgesehen sind, sowie die übergeordneten Ziele der Energieunion. 

Hintergrund

Das LIFE-Programm ist das Finanzierungsinstrument der EU für die Umwelt- und Klimapolitik. Im Rahmen dieses Programms sind seit 1992 grüne Ideen gefördert und schon mehr als 5500 Projekte überall in der EU und in Drittländern mitfinanziert worden. Für den Programmzeitraum 2021–2027 hat die Europäische Kommission die Mittel für das LIFE-Programm um fast 60 % auf 5,4 Mrd. € aufgestockt und das neue Teilprogramm „Energiewende“ aufgenommen. Der Großteil der Finanzhilfen im Rahmen des LIFE-Programms wird von der Europäischen Exekutivagentur für Klima, Infrastruktur und Umwelt (CINEA) verwaltet.

Weitere Informationen

Kurzbeschreibungen der Projekte Die Liste der Projekte wird im Zuge der Unterzeichnung neuer Finanzhilfevereinbarungen aktualisiert und im Dezember 2022 fertiggestellt. Die Projekte sind nach Ländern (Projektleitung) aufgeführt. Organisationen aus Ihrem Land können an transnationalen Projekten beteiligt sein, die in einem anderen Land koordiniert werden.

LIFE-Programm

Pressekontakt: Claudia Guske, +49 (30) 2280-2190. Mehr Informationen zu allen Pressekontakten hier.

Anfragen von Bürgerinnen und Bürgern beantwortet das Team des Besucherzentrums ERLEBNIS EUROPA per E-Mail oder telefonisch unter (030) 2280 2900.

Einzelheiten

Datum der Veröffentlichung
23 November 2022
Autor
Vertretung in Deutschland