Nr. 11 vom 27. März 2025
EU-Nachrichten
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EU-Nachrichten 27.3.2025: US-Zölle auf Autos | Krisenvorsorge | Kritische Rohstoffe | Stahlindustrie | Führerscheinvorschriften | Europa vor Ort: Forschungsförderung | Europa in Zahlen: Die EU in der Welt | FIMI | Juristen-Bewerbung bei den EU-Institutionen
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Editorial
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
Gestern Abend hat US-Präsident Donald Trump im Oval Office eine Proklamation unterzeichnet – 25 Prozent auf alle Autos, die nicht in den USA produziert werden. Fällig ab nächster Woche. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen reagierte umgehend mit einem Statement, das hier verlinkt ist. Mehr in unseren Highlights.
Und noch ein anderer Blick auf die Welt außerhalb der EU, konkret auf den Beitrittskandidaten Türkei: hier haben wir ein kurzes Video verlinkt mit unserem Statement zu den aktuellen Entwicklungen um den verhafteten Istanbuler Bürgermeister.
Viele Grüße vom Presseteam der Vertretung der Europäischen Kommission in Berlin. Haben Sie noch eine schöne Woche!
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Highlights
„Zölle sind Steuern – schlecht für die Unternehmen, noch schlimmer für die Verbraucher, in den USA und der EU.” - Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat die Entscheidung der USA bedauert, Zölle auf europäische Automobilexporte zu erheben. Sie betonte, dass die EU weiter nach Verhandlungslösungen suchen wird. Und: ihre wirtschaftlichen Interessen wahren wird. Link zu unsere Pressemitteilung hier.
450 Millionen Bürgerinnen und Bürger in der EU – das sind 450 Millionen Gründe, besser vorbereitet zu sein. Die Kommission hat gestern die neue EU-Strategie für Krisenvorsorge vorgestellt. Es geht u.a. um Frühwarnsysteme, ein erhöhtes Risikobewusstsein, flexibles und koordiniertes Vorgehen, mehr Resilienz. Eine Strategie sozusagen als Versicherungspolice für die Menschen in der EU, für Unternehmen und Institutionen. Details hier.
Atempause für die Stahlerzeuger in der EU: Die Kommission hat die Schutzmaßnahmen verschärft, die die Branche vor steigenden Stahlimporten schützen sollen. Weltweite Überkapazitäten setzen die europäischen Erzeuger unter Druck, es geht jetzt darum, dass sie ihre Produktion steigern und verlorene Marktanteile zurückzugewinnen können. Details zu den Maßnahmen hier.
Die EU will den Zugang zu strategisch wichtigen Rohstoffen sichern und diversifizieren, Abhängigkeiten von Drittländern abbauen, und dazu hat die Kommission in dieser Woche eine Liste von 47 strategischen Projekten angenommen. Drei dieser Projekte sind in Deutschland angesiedelt, ein viertes in Frankreich mit deutscher Beteiligung. Es geht um Rohstoffe wie Lithium oder Grafit. Details dazu hier.
In dieser Woche haben sich Europäisches Parlament und Rat auf modernisierte EU-Vorschriften für Führerscheine geeinigt. Es ist ein ganzes Paket an Aspekten, das die Zahl der schweren Verkehrsunfälle reduzieren und langfristig die Zahl der Verkehrstoten auf Null senken soll - „Vision Zero”. Hier sind die Schlüsselelemente aufgelistet und erklärt. Ergänzend dazu noch eine weitere vorläufige Einigung, bei der es um schwere Verkehrsverstöße geht – anders als bisher gilt dann der Entzug der Fahrerlaubnis in einem EU-Land auch in den anderen Mitgliedstaaten. Link hier.
Weitere Pressemitteilungen zu aktuellen Themen finden Sie hier (Vertretung der Kommission in Berlin) und hier (Presseraum/Sprecherdienst der Kommission in Brüssel). Für unseren täglichen Newsletter kann man sich hier anmelden. Und folgen Sie uns gerne auch auf den sozialen Medien: Facebook, X, Instagram.
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Europa vor Ort
Marie-Skłodowska-Curie-Programm: so fördert die EU den Austausch von Forschenden
Ein Ortswechsel bringt neue Perspektiven, Anja Thomas kennt das. Die Politologin hat an der Universität zu Köln studiert, in Paris an der Sorbonne Universität Sciences Po promoviert und lange am Europäischen Hochschulinstitut in Florenz geforscht. Zuletzt wurde sie als Associate Professorin an die Universität Lille in Frankreich berufen, für ihr neues Projekt arbeitet Anja Thomas für zwei Jahre an der Hochschule Fulda. Ihr Ziel: Die unterschiedlichen Sichtweisen auf die Wirtschafts- und Währungsunion (WWU) in den Mitgliedstaaten erforschen.
Die Forscherin beschreibt das an einem Beispiel: „Deutschland favorisiert eine ausgeglichene Haushaltspolitik. In Frankreich herrscht stark die Vorstellung vor, dass der Staat aktiv in die Wirtschaft eingreifen soll." In Brüssel laufen die Fäden zusammen, und die unterschiedlichen Auffassungen der EU-Mitgliedstaaten.
Eine Währung, unterschiedliche Perspektiven
Anja Thomas untersucht Rollenkonflikte nationaler Abgeordneter und politischer Eliten mit Blick auf die europäische Integration. In Interviews mit nationalen Abgeordneten analysiert sie die verschiedenen Blickwinkel in vier Mitgliedstaaten: Deutschland, Frankreich, Italien und Niederlande. „Diese Länder sind wichtig, wenn es um die Struktur der WWU geht, und sie erlauben beispielhaft, das politische System der EU in Staaten zu beobachten, die schon lange Mitglieder der EU sind.”
Stipendium im Namen einer inspirierenden europäischen Forscherin
Anja Thomas profitiert bei ihrem zweijährigen Forschungsaufenthalt an der Hochschule Fulda von den Marie-Skłodowska-Curie-Maßnahmen. Das Programm wurde 1996 von der EU-Kommission gestartet, um die europaweite Mobilität und die Karriere von Forschenden sowie Nachwuchspersonal aus Technik und Management zu fördern.
Benannt ist das begehrte Stipendium nach Marie Skłodowska-Curie (1867-1934). Wir haben hier eine Bildergalerie der polnisch-französischen Ausnahme-Wissenschaftlerin vorbereitet. Sie erhielt den Nobelpreis für Physik (1903) und gemeinsam mit ihrem Mann Pierre Curie den Nobelpreis für Chemie (1911). Sie war die erste weibliche Nobelpreisträgerin und ist bislang die einzige Frau, die die begehrte Auszeichnung gleich in zwei Disziplinen erhielt. Eine echte Pionierin, die viele Forschende weltweit inspiriert hat.
Perspektivwechsel und Begegnungen
„Das Austausch-Programm bietet Forschenden neben dem Perspektivwechsel einen enormen Vorteil: Sie können ihr eigenes Projekt vorantreiben", sagt Anja Thomas. Seit Wintersemester 2024/25 forscht sie an der Hochschule Fulda und schätzt einen weiteren Vorzug des
Austauschprogramms: „Was unglaublich wichtig ist, am Marie-Skłodowska-Curie-Programm ist nicht allein, dass sie viele unterschiedlichen Forscherinnen und Forscher zusammenbringt, sondern auch Universitäten jenseits der großen Metropolen miteinander verbindet."
Leuchtturmcharakter für Hessen
So begreifen sie das Stipendium für Anja Thomas auch an der Hochschule in Fulda als Auszeichnung. Professorin Dr. Claudia Wiesner, die das Projekt nach Hessen geholt hat, sagt: „Marie Skłodowska-Curie ist ein hochkompetitives Förderprogramm. Damit ein Fellowship erfolgreich eingeworben werden kann, müssen Host und Fellow gemeinsam einen signifikanten wissenschaftlichen Mehrwert erreichen können. Das ist hier gelungen - und das hat gerade für eine kleine, aber forschungsstarke Hochschule wie unsere Leuchtturmcharakter."
Fulda – Florenz – Paris
Europa verbindet. Zwei Jahre lang wird Anja Thomas dank des Stipendiums der EU-Kommission in Fulda forschen. Das Projekt wird sie auch zurück an das Europäische Hochschulinstitut in Florenz und das an der Polytechnique angesiedelte Labor CREST in Paris führen. In Frankreich sind Marie Skłodowska-Curie und ihr Mann Pierre Curie noch heute als Namensgeber des Institut Curie, einem renommierten naturwissenschaftlichen Forschungszentrum, präsent. Für Anja Thomas bietet die Namensgeberin des EU-Austauschprogramms aber noch ein weiteres Signal: „Marie Skłodowska-Curie ist schon ein wichtiges Symbol, gerade, wenn es um mehr Forscherinnen in Führungspositionen in der Wissenschaft geht."
Home - Marie Skłodowska-Curie Actions
Good to know
Hier geht es zur Bewerbung für das Programm – die neue Runde startet am 8. Mai. In der Bewerberrunde im Jahr 2024 für die Marie Skłodowska-Curie-Maßnahmen der EU-Kommission wurden 10.360 Vorschläge eingereicht, das waren 29 Prozent mehr als im Vorjahr. Insgesamt wurden rund 1700 Forschungsvorhaben zur Förderung ausgewählt. Die Arbeiten werden mit insgesamt rund 417,2 Millionen Euro aus dem Forschungsprogramm Horizont Europa unterstützt.
Auch die Europäische Zentralbank (EZB) prüft eine Würdigung der polnisch-französischen Forscherin. Die EZB hat ihre Vorschläge für die Gestaltung der neuen Euro-Noten vorgelegt. In der Vorauswahl für die 20-Euro-Note: Marie Skłodowska-Curie. Weitere Motive: 5-Euro-Schein: Maria Callas, 10-Euro-Note: Ludwig van Beethoven, 50 Euro: Miguel de Cervantes.
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Europa in Zahlen
Schlüsselzahlen zur EU in der Welt – Ausgabe 2025
Wussten Sie, dass die EU mit ihren 448 Millionen Einwohnern 5,5 Prozent der Weltbevölkerung stellt? Oder dass auf die EU im Jahr 2023 14,7 Prozent des weltweiten BIP entfiel? (Das ist Platz drei nach China und den USA.) Oder dass die EU im Jahr 2022 beim Energiebedarf im weltweiten Vergleich mit 9,1 Prozent auf Platz drei lag hinter China (25,7 Prozent) und den USA (15,1 Prozent)?
Diese und viele weitere Zahlen stehen im gerade erst frisch veröffentlichten Statistischen Überblick über die EU in der Welt. Dafür hat Eurostat eigene Daten mit anderen internationalen Quellen kombiniert.
Das Ziel ist, komplexe Daten einem breiten Publikum leicht zugänglich zu machen – durch eine Mischung aus prägnanten Texten und intuitiven Visualisierungen. Die EU-Daten werden jeweils mit Daten aus anderen Teilen der Erde verglichen.
Der Bericht ist in drei Kapitel aufgeteilt:
- Menschen und Gesellschaft (mit Daten zu Bevölkerungsmerkmalen, Gesundheit, Bildung, Arbeitsmarkt, Lebensbedingungen und der digitalen Gesellschaft);
- Wirtschaft und Handel (startet mit der Struktur der Wirtschaft und den Wirtschaftsindikatoren und endet mit internationalem Handel, Tourismus sowie Forschung und Entwicklung);
- Umwelt und natürliche Ressourcen (mit einem Fokus auf Verkehr, Energie, Umwelt und natürlichen Ressourcen.
Der Link zum Weiterstöbern auf den insgesamt 88 Seiten - hier.
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Veranstaltungen und Tipps
Disinfo, Manipulationen, Einflussnahme: 3. FIMI-Bericht veröffentlicht
FIMI steht für „Foreign Information Manipulation and Interference“, zu Deutsch „Ausländische Informationsmanipulation und –einmischung". Die Europäische Union hat diese manipulativen Verhaltensweisen und Kampagnen schon vor Jahren als wachsende sicherheits- und außenpolitische Bedrohung erkannt, beim Europäischen Auswärtigen Dienst (EAD) gibt es eine eigene Taskforce dafür. In Brüssel haben sich kürzlich 250 FIMI-Experten getroffen, um über die Taktiken der Täter zu sprechen und darüber, wie man hier besser vorgehen kann. Neue Grundlage: der inzwischen dritte FIMI-Bericht. Die Hohe Vertreterin der EU für Sicherheits- und Außenpolitik Kaja Kallas sagte: „Wenn Desinformation eine Kugel ins Herz der Demokratie ist, dann ist FIMI die Waffe, der Schütze und das gesamte Arsenal.“ Zum Bericht kommt man hier.
Karriere in den EU-Institutionen im Bereich Jura
Sind Sie mehrsprachiger Jurist und auf der Suche nach einer neuen Herausforderung?
Die EU-Institutionen sind auf der Suche nach hochqualifizierten Rechts- und Sprachverständigen/Juristen-Überprüfern. Die eingestellten Beamten arbeiten im Europäischen Parlament, im Rat der EU oder in der Europäischen Kommission. Bewerben Sie sich jetzt, bis zum 10.4.2025 mittags 12 Uhr läuft die Frist dafür.
Als Rechts- und Sprachverständige/ Juristen-Überprüfer müssen Sie in der Lage sein, Übersetzungen von EU-Rechtstexten aus mindestens zwei anderen Sprachen in die Sprache des Auswahlverfahrens zu überarbeiten. Außerdem sind Sie beratend tätig bei der der Ausarbeitung von Rechtsvorschriften, um die Qualität der Abfassung von EU-Rechtsakten zu gewährleisten.
Bevor Sie sich für eine Teilnahme an diesem Auswahlverfahren entscheiden, lesen Sie alle wichtigen Unterlagen sorgfältig durch und stellen Sie sicher, dass Ihre Bewerbung alle Zulassungsbedingungen erfüllt. Details zur Bewerbung hier.
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